Filmvergleich – ‘Metal: A Headbanger‘s Journey’ vs. ‘More Than Honey’

1. Übersicht von „Metal: A Headbanger‘s Journey“

Metal: A Headbanger‘s Journey ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2005. Er ist in der Form eines Documentaries (vgl. Thorolf (2012): S. 73 ff.) mit Cinéma Vérité-Anteilen (vgl. ebd. S. 101 ff.) gestaltet, die vor allem bei einigen Interviews deutlich werden. Der Film erzählt die Reise des Protagonisten Sam Dunn, der dem Zuschauer einen Einblick in die Welt des Metal geben und dabei mit Vorurteilen aufräumen will. Dazu interviewt er einige Musiker bekannter Metal-Bands sowie Wissenschaftler, Produzenten und Fans in Amerika, Kanada, England, Deutschland und Norwegen (vgl. Banger Films: Metal: A Headbanger’s Journey). Einen anonymen Sprecher gibt es nicht, Kommentare und Erklärungen aus dem Off werden von Sam Dunn selbst gesprochen. Einen zentralen Angelpunkt des Films stellt eine Grafik des „Stammbaums“ des Metal-Genres dar, auf welcher die wichtigsten Subgenres und dazugehörige Bands aufgezeichnet sind. Diese Grafik wird zwischendurch immer wieder eingeblendet und vereinfacht Überleitungen von einem Subgenre zum Nächsten.

Regisseure und Drehbuchautoren sind Sam Dunn, Scot McFayden und Jessica Joy Wise (vgl. Wikipedia: Metal: A Headbanger’s Journey). Der Film hat im Jahr 2007 den Gemini Award gewonnen und wurde für den Directing Award nominiert (vgl. Banger Films: Awards).

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Metal: A Headbanger’s Journey – Filmplakat [1]

2. Übersicht von „More Than Honey“

Der Dokumentarfilm More Than Honey vermittelt zunächst Wissen über die Lebens- und Arbeitsweise der europäischen Honigbiene und über verschiedene Formen des Imkerns in unterschiedlichen Gebieten. Dann behandelt er die wachsenden Probleme, die der europäischen Honigbiene zu schaffen machen und geht gegen Ende auf mögliche Alternativen zur europäischen Biene ein, falls diese eines Tages aussterben sollte.

Es handelt sich bei diesem Film um ein Documentary aus dem Jahr 2012, wobei vor allem die Nahaufnahmen sehr aufwändig wirken und sicher einiges an Vorbereitung erfordert haben. Es gibt einen Sprecher, Robert Hunger-Bühler (vgl. More Than Honey: Crew), der sich aber als der Regisseur Markus Imhoof ausgibt, welcher selbst einen starken Bezug zur Imkerei hat. Der Einfachheit halber werde ich in der Gegenüberstellung den Sprecher und Markus Imhoof als eine Person behandeln.

Die Talking Heads bestehen hauptsächlich aus einigen Imkern in der Schweiz und Amerika, zwei Bienenzüchterinnen aus Österreich, Wissenschaftlern aus Deutschland und Australien und einer chinesischen Pollenpulver-Händlerin (vgl. More Than Honey: Mitwirkende).

Der erste Akteur, der vorgestellt wird, ist Fred Jaggi, ein traditioneller Imker aus der Innerschweiz. Nachdem er und der Sprecher alias Markus Imhoof sich jeweils kurz vorgestellt haben, macht sich Markus Imhoof auf die Reise zu den verschiedenen Interviewpartnern. Die australischen Wissenschaftler am Ende des Films sind seine Tochter Barbara und ihr Mann, wodurch die Familiengeschichte einen roten Faden des Films darstellt.

Der Film hat bisher sechs Preise gewonnen, unter anderen den Deutschen Filmpreis 2013 und den Schweizer Filmpreis 2013. In der Schweiz gilt er als der erfolgreichste Schweizer Kinofilm des Jahres 2012 (vgl. Wikipedia: More Than Honey). Regisseur und Drehbuchautor ist Markus Imhoof (vgl. More Than Honey: Crew).

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More Than Honey – Filmplakat [2]

3. Gegenüberstellung

Beide Filme sind so aufgebaut, dass nach einer kurzen Einleitung der Protagonist vorgestellt wird, der dann auf eine Reise geht, um etwas herauszufinden. In der Einleitung von More Than Honey wird das Schlüpfen einer Bienenkönigin in einer Nahaufnahme gezeigt und der Imker Fred Jaggi stellt sich vor. Metal: A Headbanger‘s Journey beginnt dagegen mit Archivmaterial aus der Zeit, in der Metal populär wurde und der Sprecher zählt verschiedene gegensätzliche Reaktionen auf, die es hervorgerufen hat.

Die Vorstellung der Protagonisten erfolgt relativ ähnlich. Sam Dunn und der Sprecher von More Than Honey, der im Gegensatz zu Sam Dunn während des gesamten Films nicht im On zu sehen ist, erzählen beide von „ihrer“ Vergangenheit. Dabei wird Markus Imhoof nicht namentlich genannt — es wird nur durch den Schriftzug „Imhoof“ auf einer alten Box zu Beginn des Sprechertextes klar, dass es um ihn geht. Sam Dunn und der Sprecher berichten von ihrem jeweiligen Leben als Kind oder Jugendlicher, dem Umfeld, in welchem sie aufgewachsen sind und wie das Thema des Films schon früh ein Teil ihres Lebens wurde. Dadurch verdeutlichen sie zum einen, dass das Thema für sie persönlich von hoher Bedeutung ist und sie sich damit auskennen, was ihnen eine gewisse Autorität gegenüber dem „unwissenden“ Zuschauer schafft. Zum anderen lernt der Zuschauer den Protagonisten dabei etwas kennen, wodurch er sich, solange ihm der Protagonist nicht unsympathisch erscheint, besser in ihn hineinversetzen kann und erfahren möchte, was er auf seiner Reise herausfindet.

Auf der eher persönlichen Seite geht es bei Metal: A Headbanger‘s Journey also darum, dass der Protagonist Sam Dunn schon seit seiner Jugend ein Metal-Fan ist, die Musikrichtung aber auch schon seitdem gegen Vorurteile verteidigen muss. Deswegen möchte er dem Zuschauer einen Einblick in das Genre geben und mit den Vorurteilen, die er erfahren hat, aufräumen. Der Zuschauer wird dabei zum einen durch seine eventuell vorhandenen Vorurteile neugierig gemacht und zum anderen durch interessante Fakten, aber auch exzentrische Interviewpartner gelockt. Es gibt aber, außer der Geschichte von Sam Dunn, keine weitere übergeordnete Geschichte einer Person, kein Drama, das den Zuschauer zum Beispiel durch Mitgefühl von Anfang an emotional an den Film bindet. Interessiert den Zuschauer das Thema also nicht, wird er den Film wahrscheinlich auch nicht komplett ansehen.

Auf der inhaltlichen Seite behandelt Sam Dunn verschiedene Aspekte der Metal-Musik, zum Beispiel dessen Geschichte, Fans und Subgenres. Da er hier Fakten und Ereignisse erläutert oder durch Interviews erklären lässt, anhand welcher er unter anderem die aktuelle Situation erschließt, ist der Film eher auf die Vergangenheit gerichtet.

Dagegen geht es Markus Imhoof bei More Than Honey auf der persönlichen Seite darum, dass er durch seinen Großvater einen starken Bezug zur Imkerei hat. Auch der erste Protagonist, Fred Jaggi, hat die alte Bienenrasse in den Bergen der Innerschweiz von seinem Vater übernommen und führt damit eine Familientradition weiter. Da die europäische Honigbiene aber durch Infektionen und Parasiten immer mehr gefährdet wird und dies für die gesamte Menschheit zum Problem werden könnte, möchte Markus Imhoof herausfinden, warum dies heutzutage eine so große Gefahr darstellt. Er geht also auf ein sehr akutes und persönliches Problem ein. Während des Films wird versucht, die Biene durch Nahaufnahmen möglichst groß und genau zu zeigen, sodass der Zuschauer sich etwas in sie hineinversetzen und mit ihr mitfühlen kann. Das gelingt vor allem dann recht gut, wenn mit Bienenwaben grob umgegangen wird oder sterbende Bienen gezeigt werden — es wird das Bild vermittelt, dass die Biene nur eine Industriearbeiterin ist, die vom Menschen ausgenutzt wird. Durch die Möglichkeit, dass dieses faszinierende und wichtige Tier aussterben könnte, wird der Zuschauer auch emotional mitgenommen.

Inhaltlich beschreibt der Film die Lebensweise der Honigbiene und macht dem Zuschauer damit bewusst, wie wichtig und komplex die Honigbiene eigentlich ist. Auf der Reise von Markus Imhoof wird auf verschiedene Formen des Imkerns und auf die Gefahren eingegangen, bis gegen Ende eine Art Blick in die Zukunft folgt: welche Optionen gäbe es, würde die europäische Honigbiene tatsächlich aussterben, was würde es für Mensch und Natur bedeuten? Der Film richtet sich anhand aktueller Gefahren also eher in die Zukunft, es wird nicht weiter auf die Geschichte des Imkerns eingegangen.

Im Verlauf der Filme gibt es bei More Than Honey einen emotionalen Höhepunkt, als die Bienen von Fred Jaggi durch eine Bakterieninfektion teilweise sterben, woraufhin das gesamte Bienenvolk getötet werden muss. Fred Jaggi gräbt ein Loch in den Boden und verbrennt die Bienen und Waben darin (vgl. More Than Honey: 00:51:58 – 00:56:03). Er beerdigt sozusagen die Tradition des Imkerns mit der alten Bienenrasse, die er von seinem Vater übernommen hat und schafft für Markus Imhoof so einen traurigen Übergang nach China und der Frage, was passiert, wenn das Bienensterben nicht gestoppt werden kann.

Bei Metal: A Headbanger‘s Journey gibt es keinen klar auszumachenden Höhepunkt. Man könnte aber sagen, dass der Bericht über die „Satanisten“, die in Norwegen einige Kirchen niedergebrannt haben, der Höhepunkt des Extremen darstellt. Besonders das Interview mit Gaahl von der Band Gorgoroth bleibt hier sehr eindrucksvoll in Erinnerung, als dieser im Kerzenschein des düsteren Raumes als Ideologie und Grundlage für die Musik seiner Band nach einigem Überlegen „Satan“ nennt, woraufhin er schon fast demonstrativ einen Schluck von seinem großen Weinglas nimmt, in welchem sich, der Optik nach, Rotwein befindet.

Da der Protagonist ja aber allgemein versucht, mit Vorurteilen aufzuräumen und Metal als Musikgenre in verschiedenen Aspekten zu beleuchten, ist ein klarer Höhepunkt in diesem Film nicht notwendig.

Abgesehen davon, dass der eine Film in der Originalfassung auf Englisch und der andere für ein deutschsprachiges Publikum produziert ist, ist im Bezug auf die Sprache ein weiterer Unterschied sehr auffällig. Während die Akteure in der Originalversion von More Than Honey fast alle ihre Originalsprache, also Schweizerdeutsch, Deutsch, Englisch und Mandarin sprechen und diese nur mithilfe von Untertiteln übersetzt werden, ist der Film Metal: A Headbanger‘s Journey vollständig in Englischer Sprache. Hier fallen bei einigen Talking Heads jedoch Akzente auf, die nahelegen, dass der Akteur normalerweise nicht Englisch spricht. Der Film kommt also ohne Untertitel aus, bedient sich dafür aber Inserts, die Namen und Funktion der zu sehenden Person benennen und Inserts, die ein neues Kapitel einleiten oder Zusammenhänge in einer Art Stammbaum darlegen.

More Than Honey kommt neben den Untertiteln zur Übersetzung ins Deutsche ganz ohne Inserts aus. Namen der Akteure werden höchstens durch Aufschriften, zum Beispiel auf Geschäftswagen oder Adressstempeln, sichtbar.

Da die Akteure hier alle die Sprache sprechen, die wahrscheinlich ihre jeweilige Muttersprache ist, wirkt der Film sehr authentisch und transportiert gleichzeitig die geographischen Unterschiede und Assoziationen mit der jeweiligen Sprache mit. Das Schweizerdeutsch in den Bergen unterstreicht für den deutschen Zuschauer zum Beispiel die Idylle, das Traditionelle, während das Englische das Moderne und das Chinesische das Fremde markiert. Die Untertitel sichern dabei trotzdem noch das Verständnis, nur wird hier eben auch mit bestimmten Emotionen gespielt, die durch die verschiedenen Assoziationen ausgelöst werden können. Diese setzen das Gesagte in einen bestimmten Kontext und können so indirekt dessen Bewertung steuern.

Im Film Metal: A Headbanger‘s Journey liegt der Fokus eher auf dem Verstehen des Inhalts und nicht dem erzeugen von Emotionen — was durchaus Sinn macht, da der Film ja hauptsächlich aufklären, also sachlich überzeugen möchte und jedem einen Einblick ermöglichen will. Die regionalen Unterschiede kommen zwar durch Akzente und Landschaftsaufnahmen trotzdem ein bisschen herüber, der Fokus liegt aber eindeutig auf dem Inhalt. Da die Akteure selbst Englisch sprechen und nicht von einer dritten Person synchronisiert werden, wirken sie dennoch authentisch.

Bei beiden Filmen fällt jedoch auf, dass im Bezug auf die regionalen Unterschiede oft stark in die Klischeekiste gegriffen wird — der traditionelle und naturverbundene Schweizer, das düstere England, der mysteriöse Norweger, die vom Menschen zerstörte Natur in China.

Zwischen den Interviews finden sich bei beiden Filmen oft Zwischenszenen, die es dem Zuschauer ermöglichen, das Gehörte kurz zu Verarbeiten. Bei More Than Honey sind dies vor allem Landschaftsaufnahmen oder Nahaufnahmen von Natur oder Bienen, oder es wird einem Imker bei der Arbeit zugesehen. Nahaufnahmen von Bienen werden dabei oft in einer leichten Zeitlupe gezeigt, sodass die Bienen besser beobachtet werden können. Bei Metal: A Headbanger‘s Journey finden sich hier dagegen hauptsächlich Ausschnitte aus Konzerten mit der dazugehörigen Musik, oder Szenen, in denen der Protagonist auf der Reise zu sehen ist. Die Filmmusik besteht bei Metal: A Headbanger‘s Journey aus verschiedenen mehr oder weniger bekannten Metal-Liedern, die entweder zu einem eingespielten Konzertausschnitt gehören oder zur jeweiligen Zwischenszene passen. Die Musik ist in diesem Film sehr dominant und wird nicht etwa leise im Hintergrund gespielt, was natürlich in der Natur des Filmthemas begründet ist.

Die Bilder, die bei Zwischenszenen von More Than Honey verwendet werden, sind oft von sehr hoher Qualität und deuten auf eine sehr professionelle Filmausrüstung hin — vor allem, wenn zum Beispiel eine Biene im Flug gezeigt wird. In diesem Fall wird auch auf das Verwenden von Hintergrundmusik verzichtet, sodass der Zuschauer allein das Summen der Biene und die Umgebungsgeräusche hört (vgl. More Than Honey: 01:22:55 – 01:23:44). Die ansonsten meist lebhafte oder ruhige Hintergrundmusik, die eigens für den Film komponiert wurde, kommt bei More Than Honey hauptsächlich bei Szenen mit mehreren Bienen, bei Landschafts- und Umgebungsaufnahmen und während der Sprecher erzählt zum Einsatz.

Der Sprecher ist bei More Than Honey meist dann zu hören, wenn Hintergründe und Abläufe erklärt werden müssen. Dies ist auch bei Metal: A Headbanger‘s Journey der Fall, wobei der Sprecher hier wesentlich öfter zu Wort kommt und auch über das Gehörte reflektiert.

Der Film Metal: A Headbanger‘s Journey endet mit der Beantwortung der Frage, die der Grund für Sam Dunns Reise dargestellt hat. Er fasst dabei zusammen, was Metal für seine Fans bedeutet und lässt einige der Talking Heads ihre Meinung sagen, warum Metal so erfolgreich ist. Sam Dunn schließt ab, indem er dem Zuschauer sagt, Metal müsse nicht jedem gefallen, es gäbe schließlich eh genug Fans (vgl. Metal: A Headbanger’s Journey: 01:31:37 – 01:34:34).

More than Honey endet ohne ein ausdrückliches Fazit. Der Film Endet mit einer Szene eines Volkes der afrikanisierten Honigbiene, das dabei beobachtet wird, wie sie aus dem Stock des Imkers Fred Terry ausschwärmt und sich ein neues zu Hause in einem Felsspalt sucht. „Not even a bear could get to those bees“ (More Than Honey: 01:25:13 – 01:25:18), merkt der Amerikaner an. Indirekt wird damit die Hauptaussage des Films betont, dass das Bienensterben erst durch das Zähmen der wilden Biene zum Problem wurde und dass wilde, nicht domestizierte Bienenrassen viel robuster und nicht in Gefahr sind.

 

Literaturverzeichnis

Filme

  • Metal: A Headbanger‘s Journey. R: Sam Dunn, Scot McFayden, Jessica Joy Wise. Drehbuch: Sam Dunn, Scot McFayden, Jessica Joy Wise. CA: Banger Films 2005. 94 Min.

  • More than Honey. R.: Markus Imhoof. Drehbuch: Markus Imhoof. CH/D/AT: Pierre-Alan Meier (Schweiz) / Thomas Kufus (Deutschland) / Helmut Grasser (Österreich) 2012. 90 Min.

Literatur

  • Lipp, Thorolf (2012): Spielarten des Dokumentarischen. Einführung in Geschichte und Theorie des Nonfiktionalen Films. Marburg: Schüren Verlag.

Onlinequellen 

Bilder

  • [1] Metal: A Headbanger’s Journey – Filmplakat. http://www.impawards.com/2006/metal_a_headbangers_journey.html, abgerufen am 31. Dezember 2015.
  • [2] More Than Honey – Filmplakat. http://www.markus-imhoof.ch/, abgerufen am 31. Dezember 2015.
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